Wo wohnt der Tod ?

oder

Der Tod wohnt in Wuppertal

 

 

Mein Name ist Lissi. Eigentlich Elisabeth, aber alle nennen mich nur Lissi.

Ich wurde im Bergischen Land geboren und werde auch hier sterben.

Die meisten Menschen haben Angst vor dem Tod oder dem sterben, ich nicht.

Ich habe zuviel gesehen und erlebt und ich will und möchte nicht so enden.

Es klingt wahrscheinlich egoistisch, aber ich denke so.

Nehmen wir mal meine Familie, eine genau wie jede andere. Meine Mutter starb

bei meiner Geburt. Es war immerhin ihre sechste. Mein Vater arbeitete in einer der

unzähligen Färbereien hier in der Gegend. Seine Lunge war total zerfressen von den

Chemikalien und seine Leber zerfressen vom Alkohol. So ging es hier allen.

Die Männer arbeiten in den Färbereien oder als Bleicher, für einen Hungerlohn und ohne

Pause. Um den Frust in der Arbeit abzubauen, trinken sie und dann ist der Frust

noch größer. Sie ruinieren ihren Körper durch die schwere Arbeit, die Chemikalien,

Alkohol und Tabak.

Die Frauen bekommen im Durchschnitt sechs Kinder, wo dann entweder eines der Kinder oder die Frau stirbt. Nebenbei waschen und bleichen sie die Wäsche in der Wupper. Unserer Lebensader, unserem Fluss. Dessen Ufer so grün und doch so verdorrt vom Bleichen waren.

Manche Frauen haben dann noch gewaltätige Männer und werden, wenn sie " Glück "

haben, totgeschlagen. Allen meiner Freundinnen aus Kindertagen, erlitten solche

Schicksale. Man sagt zwar, Arm sein sei keine Schande, aber es ist unter Umständen

sehr Lebensverkürzend. Ich hatte für mich entschieden, dieses Schicksal nicht zu teilen.

Ich wollte sterben. Ich sah in einem solchen Leben keinen Sinn. Ich suchte den Tod.

Aber ich fand ihn nicht. Ich rief den Tod, doch er antwortete nicht. Meine Großmutter, eine der wenigen Frauen, die ihre Männer überlebten sagte mir mal : "  Wenn du den Tod suchst, findest du ihn nicht. Suche nicht mehr nach ihm, dann kommt er. "  Das war immer ihre Devise. Aber ich konnte nicht anders, ich wollte nicht mehr warten. Ich hatte keine andere Wahl. Ich konnte mich dem nicht entziehen.

Ich will mich nicht beklagen, meine Familie war eine der wenigen, in der es Wärme und

Liebe gab. Aber ich werde nie wieder in meinem Umfeld ein solches Gefühl haben oder

spüren. Die Zeiten waren einfach zu hart und ich zu stur. Wenn er nicht zu mir kommt,

dann komm ich zu ihm.

Eines Morgens ging ich aus der Tür  und sah die scharzen Wolken aus den Schornsteinen aufsteigen. Ich nahm einen tiefen Atemzug und atmete, die verrußte Luft ein. Es brannte in meiner Lunge. Ein Schritt, der mein Leben beenden sollte. Ich ging ohne Ziel. Ich ging und ging immer entlang der Wupper. Am Ende der Quelle werde ich ihn finden, davon war ich überzeugt.Ich war zu allem entschlossen. Ich nahm nichts mit, keine Nahrung, keine Kleidung, wozu auch. Nach zwei Tagen endlosen Marsches, erreichte ich eine Flußbiegung, wo sich zwei Flüsse vereinten. Ich setzte mich an das Ufer und kühlte meine Füße, was für eine Wohltat. Nun saß ich da, keine Ahnung wo ich war. Ich wartete .....stand auf und dann rief ich aus voller Kehle....nach dem Tod.........