Rache

 

Ich sitze hier in meiner Kammer, ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat und der, weiß was ihn erwartet und danach. Ich wußte es, aber ich dachte, ich könne es verhindern.

Ich weiß nicht, ob jemals jemand meine Aufzeichnungen lesen wird. Aber ich muß es herauschreiben, vielleicht als Warnung, für andere oder um meine eigene Seele zu erleichtern, obwohl es jetzt dazu zu spät ist. Ich habe meine Seele verpfändet, Unglück über Unschuldige und mich an anderen bereichert. Aber ich fange, wie es üblich ist, am Anfang an und greife nicht den Dingen vor.

 

Alles begann bei meiner Geburt. Die Sterne standen schlecht und mein Vater wetterte : "  Da kommt ein Taugenichts auf diese Welt ."

Er sollte wie immer in seinem Leben Recht behalten. Um aus uns" gute Menschen " zu machen, zog mich und meine Geschwister, unser Vater mit der Bibel und dem Gürtel auf. Mich traf es immer am härtesten, da meine Mutter bei meiner Geburt starb. Auch in der Schule, war ich es, der alles ab bekam, ob von anderen Kindern oder den Lehrern. Damals schwor ich, das alle, die mich so behandelten, später dafür büßen werden. So vergoß ich auch keine Träne, wenn abermals der Rohrstock auf mich niederfuhr.

So gingen die Jahre ins Land und ich beendetete auch eine sehr schmerzhafte Lehre.

Eines Tages, ich schlenderte über einen der unzähligen Flohmärkte, fiel mir an einem Stand, ein sehr altes Buch ins Auge. Es lag auf einem Tisch mit vielen weiteren Büchern. Aber dieses war etwas besonderes. Ich hob es hoch und in diesem Moment war es, als ob ein kleiner feiner elektrischer Schlag, mich mit diesem Buch verband. Ich wollte es kaufen, doch die Besitzerin, eine alte schäbige Vettel, wollte es mir unter keinen Umständen verkaufen.

Sie sagte, das es hier aus Versehen läge und es Unglück brächte. Sie riss es mir aus meinen Händen und legte es zu sich hinter den Tisch. Aber ich wollte dieses Buch, jetzt mehr denn je. In einem unbeobachteten Augenblick, schnappte ich mir, mit einem gekonnten Griff, das Buch und verschwand in der Menschenmenge. Gut versteckt unter meiner Jacke schlenderte ich ganz unauffällig davon. Ja, das konnte ich schon immer gut.

Zuhause in meiner Dachkammer, setzte ich mich auf mein Bett und sah mir das Buch genauer an, ich blätterte die ersten Seiten um. Es handelte von Kräutern, Kreaturen seltsamen Tinkturen und merkwürdigen Sprüchen. Ich schlug das Buch wieder zu und lachte: " Bei Gott, da habe ich ein Zauberbuch ergattert. " Ich legte es beiseite. Etwas enttäuscht war ich schon, dabei hatte ich überhaupt nichts erwartet. Es hätte genauso gut ein Kochbuch oder Gedichtband sein können. Ich legte mich auf die Seite und schlief sehr schnell ein. Mitten in der Nacht erwachte ich und ich mußte in dem Buch lesen. Es war, als hätte mich mich das Buch gerufen und geweckt. Bei Kerzenschein blätterte ich die vergilbten, speckigen und dreckigen Seiten um. Ein unbeschreiblicher Geruch stieg aus dem Buch auf. Es stand viel unnützes Zeug darin, wie zum Beispiel, was hilft beim bösen Blick, erntelose Felder und Gärten, Fischleere Teiche und so weiter. Doch dann stieß ich auf eine Seite, die mich interessierte. Vielleicht war es auch nur, weil ich mich just in diesem Moment an dieser Seite, meinen Finger am Papier schnitt. Aber es war wie für mich gemacht oder geschrieben. Es hieß " wie ich meine Feinde bestrafe ....." Oh ja, das klang gut. Ich bemerkte zuerst gar nicht, das ich mich am Papier geschnitten hatte, doch dann färbte sich die ganze untere Ecke, des Papieres rot. Das war ein Zeichen. Es war also kein Zufall gewesen, das ich das Buch gefunden hatte oder es mich. Es hatte auf mich gewartet. Begierig und mit zittrigen Händen, las ich jedes einzelnes Wort. Dort stand, wenn man ein bestimmtes Ritual befolge und eine Liste mit Namen verfasst, geht es meinen Feinden schlecht und mir geht es gut. Das war die Rache, auf die ich seit meiner Geburt gewartet hatte ............


(c) Nadia Sahlenbeck


Diese Geschichte ist 2014 im Verlag das E-Book24 erschienen