Und ihr Name war......

 

 

Ich saß wie immer an meinem Schreibtisch und sann über Dinge nach,

die ich aufschreiben könnte. Mein Verleger hatte mir bereits vor zwei Tagen telegraphiert, das mein Abgabetermin fällig sei.Doch mein Hirn war wie leergefegt, meine Gedanken fade und meine Ideen grau.

Es mußte etwas Neues her. Schließlich war es für die größte Zeitung Englands, wofür ich schrieb. Einmal in der Woche erschien meine Kolummne. Zwar hatte ich immer zwei Geschichten im vorraus abgeliefert, so hatte Doc, so nannten wir unseren Verleger, immer noch ein Ass im Ärmel. Es zerrte an mir und an meinem Stolz. Was war nur mit mir passiert? Peter Thomson, ich der einst das jüngste und das Talent des Jahres 1890, so wurde ich auch  ausgezeichnet. Und nun, keine fünf Jahre später, war mein  Hirn alt und einfallslos. Es müsste doch jede Menge geben, worüber ich schreiben könnte und das die Menschen interessiert. Nun ja in knapp fünf Jahren schreiben wir ein neues Jahrhundert, dennoch gab es schon genug, die darüber schrieben. Meine Seite war anders......ich schockierte gern, provozierte und zensierte. Das wollten die Menschen lesen. Nicht darüber,das Polly Smith ihr achtes Kind bekam oder das Elizabeth Collins beim Häkelwettbewerb gewann,...nein, sowas wollten die Menschen nicht lesen. Sie dürsteten nach was anderem...sie wollten Intrigen, Possen....ja sogar Mord. Ja, Blut was vergossen wurde...am liebsten Mord aus Liebe oder Hass...das war es was die Menschen fesselte. Voyeurismus, heimliche Schadenfreude, Genugtuung.....Ohhh, die Menschheit ist schlecht und verdorben....aber sie zahlen mir mein Gehalt und es machte mir nichts aus.

Ich kannte nur einen Ort an dem ich solche Geschichten zu hören bekam, unten am Hafen, in Betty`s Bar. Eine miese Spelunke, Matrosen, Gauner, käufliche Frauen. Die nichts mehr zu verlieren hatten, außer ihr armseeliges Leben und arme Menschen dessen Leben nur noch Whiskey und Tod bedeutete. Der Abend hatte bereits begonnen.

Ich zog mich an und ging hinunter zum Hafen. Auf dem Weg dorthin kamen mir schon die seltsamsten und unheimlichsten Gestalten entgegen. Die spärliche Beleuchtung der Straßenlaternen und das Schlagen der Wellen an die Hafenmauer, so mancher hätte jetzt schon kehrt gemacht, aber ich nicht. Ich besaß keine reiche Kleidung und keine Identität hier......hier war ich nur Pete, nicht mehr und nicht weniger..einfach nur Pete. Nach wenigen Schritten, konnte ich den Lärm hören und einige zwiespältige Gestalten kamen mir entgegen. Doch ich ging an ihnen vorbei und sie beachteten mich noch nichtmals. Noch wenige Meter, dann war ich an meinem Ziel angelangt. Betty`s Bar. Als ich die alte speckige Tür aufstieß, kam mir ein sehr unangenehmer Geruch aus billigem Schnaps, Tabak und erbrochenem entgegen. Das einst helle Holz war so eingeräuchert, das es fast schwarz erschien. Unter jedem meiner Schritten ächzte und knarrte das alte verbogene Dielenholz.......................


(c) Nadia Sahlenbeck


Diese Geschichte ist 2014 im Verlag das E-Book24 erschienen