Das grüne Zimmer

 

 

 

Alle hatten mich gewarnt, doch habe ich es ihnen nicht geglaubt.

Nun sitze ich hier in einer gepolsterten Zelle und muß mit meinem

Schicksal und meiner, dieser Vergangenheit leben.

 

Aber ich werde ihnen am besten alles von Anfang an erzählen.

 

Es war an einem wunderschönen Frühlingsmorgen. Ich hatte ein Telegramm von meinem alten Freund Vincent erhalten. Er lud mich herzlich zu seiner Hochzeit ein. Ich nahm die Einladung mit Freuden an. Wir hatten uns seit unserer gemeinsamen Studienzeit nicht mehr gesehen. Er war ein hervorragener Arzt und hatte seine eigene Praxis oben im Hochland. Ich hingegen schlug mich mit dem Schreiben von kleinen Romanen und Schauergeschichten über Wasser, die ab und zu in einigen Zeitungen, für ein paar Pennys veröffentlicht wurden. Außerdem würde mir ein wenig Abwechslung nicht schaden.

Mal herraus aus der hektischen Großstadt und mal hinaus aufs beschauliche Land.

Ich packte einige Sachen ein und nahm den nächsten Zug. Nach einigen kurzweiligen Bekanntschaften auf meiner Reise, war ich am Ende allein in meinem Abteil. Da es noch etwas dauerte, bis ich am Ziel war, sank ich in einen süßen Schlaf.

Nach einiger Zeit quälten mich alte Erinnerungen.

 

Es war vor etlichen Jahren. Vincent und ich lernten auf einem Wohltätigkeitsball, eine bezauberne junge Dame kennen. Ihr Name war Lady Fiona. Sie war die Tochter von Sir  Nelson. Sie waren durch und durch eine sehr angesehende und Wohlhabene Familie. Sie war eine wunderbare Gesprächspartnerin und zudem auch wunderschön. Sie hatte ein Gesicht wie ein Gemälde. Erhaben und geradezu Perfekt. Sie war gerade mit ihrer Familie hierher gezogen. Sie bewohnten das alte Schloß am Rande der Stadt. Es war ein düsteres altes Gemäuer, schon als Kind jagte es mir Angst und Schrecken ein.

Vincent und ich machten ihr den Hof. Wir gingen zu Ausstellungen, besuchten Museen

und gingen in die Oper. Nach einiger Zeit fällte sie eine Entscheidung, wen sie von uns

beiden erwählt hatte. Charmant, ja das war sie, teilte sie es uns bei einer Sonntagsmartinee im Stadtpark mit. Ihre Wahl fiel auf mich. Vincent respektierte dies und zog sich diskret zurück.

Wir waren das Perfekte Paar, gern gesehen auf jeder Party und jedem Ball. Durch meine

Verbindung mit ihr, stieg natürlich auch mein Ansehen in der höheren Gesellschaft.

Nun, muß ich eingestehen, ich war noch ein sehr junger Mann, ein Draufgänger und ein

Freund des Schönen. Langsam fing mich aber "dieses"  Leben an, mich zu langweilen.

Ich ließ Fiona immer mehr allein und vergaß Verabredungen. Dafür ging ich lieber Karten

spielen oder auf die Rennbahn. Ich gab das Geld mit vollen Händen aus, Fiona vergaß

ich dabei. Dann eines Tages teilte ich ihr mit, das ich nicht in der Lage war, ein guter

Ehemann zu sein. Sie war todunglücklich und es zerriß ihr das Herz. Mir war es gleich, wie gesagt, ich war jung und arrogant, was dies allerdings nicht entschuldigt.

Sie lud mich ein letztes Mal zu einem Picknick oben auf den Klippen ein.

Dort hatten wir in glücklichen Tagen wunderbare Stunden verlebt. Wir konnten dort Stundenlang verweilen, ohne auch nur ein Wort miteinander zu wechseln. Diese Landschaft war so malerisch, so schön. Ich willigte ein, versetzte sie aber.

Was dann geschah, liegt wie ein schwarzer Fleck auf meiner Seele. Durch mein Verhalten, verletzte ich sie sehr. Aus Leid und Schmerz stürzte sie sich von den Klippen.

Man sagte es sei ein Unfall gewesen, sie sei ausgerutscht und hinunter gestürzt.

Aber ich kannte die Wahrheit. Ich hatte sie auf dem Gewissen. Ein kalter Schauer lief mir den Rücken herunter. Lange Zeit hatte ich es vergessen, verdrängt. Wieso dachte ich jetzt wieder daran? War dies ein Omen? Nein, ich versuchte es wieder zu vergessen. Schließlich hatte das ja schon einmal funktioniert. Schweiß war auf meiner Stirn und mir wurde heiß und kalt. Ich schaute  aus dem Fenster und versuchte an etwas anderes zu denken. Die vorbei rasenden Wiesen, Wälder und Menschen. Und dennoch spukten die Geister aus der Vergangenheit durch meinen Kopf. War es ein Fehler gewesen Vincent zu besuchen?.....................



(c) Nadia Sahlenbeck


Diese Geschichte ist 2014 im Verlag das E-Book24 erschienen