Leseprobe......

 

An jenem Tag.....

Die Sonne stand schon tief und tränkte die ganze Erde in ein tiefes Blutrot.

Der Wald am Horizont erschien schwarz und knochig.

Jedesmal, wenn ich aus dem Fenster, in meinem Zimmer schaute, sah ich diesen Wald, diesen wunderschönen Wald, den ich noch nie in meinem Leben betreten hatte.

Wie konnte ich auch, denn ich hatte dieses Zimmer noch nie in meinem Leben verlassen.

Ich wurde, so glaube ich, in diesem Zimmer geboren. Niemals sah ich oder hörte ich

jemanden, einen anderen Menschen oder Freund.

 

Das einzige was ich hatte, war dieses Fenster und diese Aussicht.

Ich bekam immer frisches gutes Essen, aber niemals sah ich, wer es brachte.

Alles was ich wußte, war, das etwas mit mir nicht zu stimmen schien.

Zeitgefühl besaß ich keines, ich kannte weder Datum noch Zeit.

Ich hatte zwar Hände und Füße, einen doch gesunden Körper und Geist, aber ich spürte

das etwas mit mir nicht stimmte. Was sonst sollte ich hier in diesem Raum ? Ausgeschlossen von anderen Menschen. Ich besaß einen wachen Verstand und war nicht dumm. Ich verstand es nicht, wer war ich? War ich wirklich schon immer hier? Oder erst seit kurzem?  Ich sah keine Bücher, doch besaß ich Wissen. Woher? Wie konnte ich lernen? Alles was ich sah war, nur einen Schreibtisch, einen Stuhl und ein Bett. Zweifel und Fragen bestimmten mein Leben. Fragen, die mir niemand beantworten konnte oder kann.

Wer zum Teufel war ich und wo? Ich betrachtete meine Hände. Sie waren schlank und gepflegt. Auf meiner rechten Hand, zwischen Mittel und Zeigefinger hatte ich eine Narbe. Woher rührte sie? Ich muß mich vor Jahren verletzt haben, aber mit aller Gewissheit nicht hier. Das heißt, nicht in diesem Zimmer. Hier war nichts, woran ich mich verletzten hätte können. Ich ging auf und ab, schlug mir immer wieder gegen meine Stirn und rief immer : "  Denk! Denk! Los....erinnere dich, zum Teufel, erinnere dich! "  Doch es war vergebens, mein  Verstand schwieg. Ich ließ mich auf den Boden fallen und kauerte mich wie eine Katze in einer Zimmerecke zusammen.

Meine Hände fuhren über den Boden. Nichts, nicht die kleinste Lücke zwischen den Holzdielen ...............................................................................

 (c) Nadia Sahlenbeck 


Diese Geschichte ist 2014  im Verlag das e-book24 erschienen