Aglaia

 

Am Ende des Himmels,

am Anfang der Erde,

am Ende der Welt

am Anfang aller Sehnsüchte

und Anfang der Hoffnung

da steht seit Menschengedenken

ein Baum.

Größer als alles und kleiner als nichts

in diesem Baum, in seiner Krone lebt

eine Frau, eine Göttin.

Vergessen und verbannt

von den Menschen und deren Gedanken, verweilt sie.

Solange bis jemand sie erlöst und alles wieder im Guten steht.

 

 

Seit Generationen wird dieses Lied von den Großmüttern für ihre Enkel gesungen.

Es handelt von Aglaia, einer Göttin, die auf die Erde gefallen war und mit den Tieren

und Wäldern sprach. Durch sie herrschte Frieden. Bis eines Tages der König des

Landes, sie im Wald tanzen sah. Er verliebte sich in sie und fing sie wie ein wildes

Tier ein. Doch in ihrer Gefangenschaft verblasste sie. Weil sie dem König keine Liebe

erwiederte, sperrte er sie in der Krone des höchsten Baumes ein und der Frieden

verging. Um ewig bei ihr zu sein, schloß der König ein Pakt mit dem Bösen.

Die Menschen verfielen in Kriege und Nöte. Da keiner der Götter, Aglaia finden und befreien konnte, brachten sie, da es ein Mensch war, der sie gefangen hatte und gefangen hielt, Unglück über alle Menschen.

 

Arwin liebte es auch, wenn seine Großmutter ihm dieses Lied vortrug. In diesen Zeiten, wo Hunger und Kälte an der Tagesornung waren, konnte er sich dadurch in eine bessere Welt flüchten. Die Kriege hatten bisher das kleine Dorf, in dem Arwin mit seiner Familie lebte, verschont. Es war ein beschauliches Idyll. Weite Wiesen im satten grün. Dichte Wälder, fließende Bäche und einst reiche Felder. Man kannte einander, nicht mehr und nicht weniger. Eine kleine beschauliche Stadt, wo sich die Häuser wie Perlen an einem Faden aneinander reihten. Keiner machte sich Gedanken darüber, das es sich eines Tages alles ändern würde.

 

Viele Jahre zogen ins Land und Arwin wuchs zu einem gesunden jungen Mann heran. Doch langsam näherte sich auch bis hierher der Krieg. Einige der Dorfbewohner zogen in diesen Krieg, ohne zu wissen wofür und für wen. Niemand, der ging kam jemals zurück.

Drachen kündigten jedesmal Unheil  und Verderben an. Sobald sie in ein Dorf einfielen, war es um die Bewohner geschehen. Sie speihten den grünen Hauch des Wahnsinns aus. Eine Pestilienz, die keiner zu heilen wußte oder konnte. Jeder der diesen Atem des Bösen einatmete, um den war es geschehen. Er kannte nur noch Hass und Vergeltung. Wofür, das war egal, Hauptsache, es kam der Tod. Es war wie eine ansteckende Krankheit, gegen die kein Kraut gewachsen war.

Eines Abends, packte auch Arwins Vater der Wahnsinn, in den Krieg ziehen zu müssen. Er stand von dem bescheiden gedeckten Tisch auf und sagte mit fester Stimme : " Es ist soweit, der Tag der Entscheidung ist gekommen. Wir werden unser Hab und Gut schon zu verteidigen wissen. Zahn um Zahn, Auge um Auge!"  " Wovon zum Teufel sprichst du, Vater? "  Arwins Vater schwieg und schaute ihn mit einem so merkwürdigem Blick an, das es Arwin kalt dem Rücken herunter lief...................


(c) Nadia Sahlenbeck


Dies Geschichte ist 2014 im Verlag das E-Book24 erschienen