Dies ist ein Auszug von meiner Geschichte " Erik " aus der Anthologie " Vom Tod "

Erik
(c) 2011 Nadia Sahlenbeck

Es war das Jahr 1918. Der Weltkrieg war endlich zu Ende und hatte Europa zuviel Leid und Elend gebracht.Die Lazarette waren voll mit Verletzten und Verwundeten.
Einer von ihnen war Erik. Ein junger Gefreiter, er hatte Glück im Unglück gehabt, ein Schrapnell hatte ihn am Kopf getroffen, als er einen Kameraden hatte schützen wollen. Er hatte nur eine Wunde am Kopf und sein Gedächtnis hatte gelitten. Oder mit anderen Worten: Er besaß keines mehr, aber er lebte.
" Andere hingegen hatten nicht so viel Glück wie du !"
Erik drehte sich herum und sah einen Arzt, der hinter ihm stand.
Er trocknete sich gerade seine Hände an einem der alten weißen Handtücher ab.
" Sieh mal darüber,da, zu Bett 24. Das ist Thomaschek, er bekam eine Granate ab, und das zerfetzte ihm die Beine. Seine Schmerzen kann nichts lindern....armer Teufel, noch nicht einmal der Tod erbarmt sich seiner. Aber der hatte ja in letzter Zeit genug zu tun."
Der Doktor klopfte Erik auf die Schulter. " Na, Junge, Kopf hoch, der Krieg ist vorbei, und das Leben geht weiter....Mach das Beste daraus ! Leb wohl, mein Junge."
Erik schaute sich um und sah so viele Verletzte und war verwirrt. Er fühlte sich allein und hilflos. Viele von ihnen machten den Anschein, dass sie nicht sterben konnten, obwohl sie es wollten.
Es war also Krieg gewesen...
Er verstand nichts mehr, er wollte nur noch raus aus diesem Lazarett. Aber wohin? Hatte er noch Familie? Eine Frau? Kinder? Ein Zuhause? Er wußte es nicht. Das einzige, was er bekommen hatte, war ein Blatt Papier mit einer Adresse darauf. Das Papier war alt und schon etwas ausgeblichen.
Weißer Wald,das konnte er noch entziffern, mehr aber auch nicht. Er hatte keine Ahnung, was es bedeutete.
Als er ins Freie trat, brannten seine Augen, die Sonne schien so hell auf die Trümmer der Stadt. Als sich seine Augen an das Licht gewöhnt hatten, sah er das ganze Elend, das der Krieg hinterlassen hatte. Alte Frauen, die sich um verkrüppelte Soldaten und Kinder kümmerten. Deren Gesichter waren schmerzverzerrt, und man konnte hören, wie sie flüsterten und den Tod riefen und ihn um Erlösung baten.
Überall hingen Listen mit Namen von Vermissten. Erik las sie sich durch, vielleicht tauchte ja sein Name auch dort auf, aber nichts.
Keiner suchte nach ihm...........